Ringvorlesung

Ringvorlesung (UM-)Weltbilder: Weltansichten, Werte und Wirklichkeit im interdisziplinären Diskurs

Wintersemster 2018/2019

Schon der griechische Philosoph Heraklit wies mit den Worten: “Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen.”, auf die Veränderlichkeit unseres Seins hin. Diese Veränderlichkeit ist ein Spiegel von Natur und Umwelt. Und sie wird sichtbar im Wandel der Werte und Ideale von Mensch und Gesellschaft.“

Dabei sind nicht nur unsere persönlichen Meinungen in gewisser Weise vorgeprägt. Auch kulturelle Werte, politische Anschauungen, ökonomische Paradigmen sowie ökologische Leitideen entstehen vor dem Hintergrund unseres Weltbildes. Aber was sind Weltbilder und wie verändern und bilden sie sich? In welchem Bezug stehen sie zu Ideologien? Wie stehen sich verschiedene Weltbilder gegenüber? Und wie sehr beeinflussen Bedürfnisse und Ideale das, was wir als Weltbild begreifen und kommunizieren?

In dieser Ringvorlesung wollen wir euch in einem interaktiven Format mit eben diesen Fragen konfrontieren. Es sollen dabei Bereiche wie das politische Leben, unser ökologisches Handeln oder bestehende ökonomische Ansätze diskutiert werden. Ihr werdet dabei nicht nur die Meinung von Experten und Expertinnen hören, sondern könnt selbst in den Dialog mit eingreifen, euch in die Ansichten anderer hineinversetzen, und aktiv zum Geschehen beitragen.

Einschreibung über OPAL:

https://bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/18266816512/CourseNode/98300200186481

Ablaufplan

15.10.18   
 
Einführung
 
Vorstellung des Teams, Übersicht über die Inhalte der Vorlesung und Rahmenbedingungen werden erklärt.
22.10.18
 
Die weltanschaulichen Dimensionen der Technikentwicklung und –verbreitung
(Dr. Dr. Gerd Grübler, Institut Philosophie TU Dresden)
 
Die Begriffe Weltbild und Weltanschauung werden aus philosophischer Perspektive am Beispiel technischer Entwicklungen beschrieben und reflektiert. Dabei wird der Fokus auf den ethischen Aspekten technischer Entwicklung liegen, deren Bewertung durch Konzepte wie Ideologie, 
Weltbild und Weltanschauung unterstützt wird.


29.10.18
 
Geschlechterverhältnisse im Wandel von Werten und Weltbildern
(Mg.a Dr.in Waltraud Ernst, Institut f. Frauen- und Geschlechterforschung, JKU Linz)
 
Geschlechterverhältnisse waren schon immer Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Debatten in Europa. Mit der Autorität naturwissenschaftlich fundiertes Wissen zu liefern und doch zutiefst verwoben in kulturelle Vorstellungen und gesellschaftliche Diskurse, geben die modernen Wissenschaften vom Lebendigen Einblick in einen ständigen Wandel der Werte und Weltbilder in Bezug auf die Deutung und Bedeutung von Geschlecht. Anhand einiger prägnanter Beispiele wird dies im Vortrag gezeigt. 

 

05.11.18

 
Ideologien, Weltbilder und extremistische Radikalität
(Dr. Michail Logvinov, ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur)
 
Die Veranstaltung wird der Frage nachgehen, was der Begriff extremistische Radikalität heißt und wodurch er sich auszeichnet. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, welche Rolle Ideologien aber auch Weltbilder für extremistische Radikalität spielen. Das Thema wird anhand verschiedener Beispiele aus der Praxis beleuchtet.
12.11.18
 
Geschlechterverhältnisse, Biologie und Nationalismus: Geschlechterauffassungen als umkämpftes Terrain
(Prof.in Dr.in Heidemarie Winkel, Professur für Soziologie, Universität Bielefeld)
 
Lange Zeit schien es, als wenn sich Geschlechterungleichheit infolge der nachhaltigen rechtlichen Verankerung von Gleichheitsnormen zunehmend verringern würde. Geschlecht ist aber nach wie vor eine zentrale Ungleichheitskategorie. Ungleichheit spiegelt sich auf dem Arbeitsmarkt, auf sozialstaatlicher und politischer Ebene oder auch in gesellschaftlichen Debatten über gleichgeschlechtliche Liebe; vorherrschendes Leitbild ist trotz aktueller gesetzlicher Veränderungen die an Heterosexualität orientierte Paarbeziehung. LGBTQ*-Identitäten werden regelmäßig als Abweichung von der gesellschaftlichen Normalitätsordnung eingeordnet. Dies verbindet sich mit Hierarchisierung und Abwertung.
Wenn wir verstehen wollen, wie sich die Wahrnehmung von Geschlechterverhältnissen in westlich, europäischen Gesellschaften aktuell darstellt, und weshalb ‚Geschlecht‘ in verschiedener Hinsicht ein intensiv debattiertes und (sozio-politisch) umkämpftes Terrain ist, müssen wir im ersten Schritt die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung im Übergang zum Kapitalismus (im Kontext der Industrialisierung) ab 1800 rekonstruieren. Dies ist der historische Ort, an dem Geschlecht als Ungleichheits- und Differenzkategorie etabliert und Homosexualität pathologisiert worden ist. Kern der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist ein Geschlechtervertrag, der Frauen in rechtlicher, ökonomischer und sozialer Hinsicht auf ganz neue Weise einschränkt und ihre soziale Existenz an die historisch ebenfalls neue Hausarbeit bindet. Dem wird im ersten Schritt nachgegangen und rekonstruiert, wie es mit Hilfe wissenschaftlich gestützter Geschlechterideologien (von der Anthropologie bis zur Nationalökonomie) gelungen ist, Frauen – unter Verweis auf ‚ihre Biologie‘ – als das andere Geschlecht (de Beauvoir) zu konstruieren, eine Weltsicht der natürlichen Unterschiede, der natürlichen Arbeitsteilung und der Abwertung von Homosexualität zu etablieren und Frauen rechtlich zu marginalisieren, indem ihnen die staatsbürgerlichen Rechte vorenthalten wurden.
In einem weiteren Schritt wird erörtert, dass die um 1800 etablierte westlich-europäische Geschlechterordnung sich parallel über eine weitere Differenz im Zusammenhang von Kolonialismus und Imperialismus konstituiert; ihr Referenzpunkt ist die soziale (Geschlechter)Ordnung in den Kolonien. Deren gewaltvolle Eroberung und die ‚Zivilisationsmission‘ wurden maßgeblich unter Verweis auf ‚unzivilisierte‘ Geschlechterverhältnisse begründet. Die neuen Wissenschaften vom Menschen haben in diesem Zusammenhang die Unterwerfung und Rassifizierung von Menschen in den Kolonien legitimiert. Ein konzeptioneller Anker dieser Weltauffassungen ist die Idee der Nation und der damit einhergehende Nationalismus. Die bürgerliche Geschlechterordnung ist eine zentrale Säule nationalistischer Weltsichten. Wie sich dies bis in die Gegenwart hinein spiegelt, etwa in rechtspopulistischen Weltsichten, wird in einem dritten Schritt verhandelt: Auch heute sind westliche, europäische Gesellschaften – trotz der Erfahrung von Kolonialismus, Sklaverei und der Ermordung des europäischen Judentums – durch Ethnisierung und Rassifizierung charakterisiert. Ein Kern ist die Rassifizierung migrantischer Geschlechterverhältnisse; der Verweis auf Geschlecht ist ein Kristallisationspunkt abwertender Typisierungen und Kategorisierungen. Mit Hilfe postkolonialer Ansätze wird daher abschließend beleuchtet, wie das Abbild von ‚der‘ unterdrückten, ‚fremden‘ Frau in diesem Zusammenhang als Kontrastfolie zur emanzipierten, westlichen Frau und Feministin aufrechterhalten wird


19.11.18
 
Weltbild und Bildung
(Dr.in Melanie Wohlfahrt, Institut für Erziehungswissenschaft, TU Dresden)

Was ist BILDung? Und was hat Bildung mit unserem WeltBILD zu tun? Was verbindet die beiden Begriffe miteinander und welche Formen von Bildung begegnen uns heute, in der Schule, in Vereinen und in der Freizeit? Wie können wir Bildung für uns einsetzen, um Weltbilder zu konstruieren oder zu verändern? Und inwieweit hat dies alles Relevanz für eine nachhaltige Entwicklung? All diese Fragen sollen im Vortrag angerissen, erörtert oder diskutiert werden.


26.11.18
 
Weltbild und Nachhaltigkeit - Sumak kawsay, ubuntu, sejahtera: Wie lassen sich traditionelle Weltbilder und Kosmovisionen und die Globale Nachhaltigkeitsagenda (2030) aufeinander beziehen?
(Apl. Prof. Dr. Maik Adomßent, Institut für Umweltkommunikation, Leuphana Universität Lüneburg)
 
Traditionelle Lebensweisen von Nachhaltigkeit, die schon länger existieren, als wir das Wort Nachhaltigkeit kennen, werden genauer beleuchtet. Jene internationalen Vorbilder werden herangezogen und der Nachhaltigkeitsagenda 2030 gegenübergestellt.
03.12.18
Syntheseveranstaltung I (Integrale und TUUWI TU Dresden)
10.12.18
 
Stadt und Umwelt - neues Denken, neue Bilder (Prof. Manuel Bäumler, Institut für Städtebau und Regionalplanung, TU Dresden)

Stadt ist ein System. Die in ihr stattfindenden Aktivitäten machen sie  zum lebendigen System, das in engen kausalen Beziehungen, z. B. zu Mensch bzw. Klima steht. Der Organismus Stadt steht niemals still, sondern entwickelt sich permanent evolutionär weiter. Ein permanenter Optimierungsprozess, in dem Bewährtes bleibt und Fehlentwicklungen bereinigt werden. Demgemäß leben wir heute in der besten aller bisherigen Städte - auf der Suche nach einer noch besseren. Die Vorlesung beleuchtet spotartig anhand von Projektbeispielen Themenfelder, die die aktuelle Stadtdebatte bestimmen und skizziert daraus Stadt-Umwelt-Bilder, die zu möglichen neuen Leitbildern werden.


17.12.18
 
Postwachstumsökonomie - eine alternative Ökonomie
(Charlotte Hitzfeld, Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. Leipzig)
 
Wirtschaft umfasst die Gesamtheit aller Arbeiten, auch Kochen, Putzen, die Begleitung von Kindern, das Sorgen für Pflegebedürftige und die Sorge um unsere Umwelt. Um die Gesellschaft lebensfreundlicher zu gestalten, müssen wir diese Sorge-Arbeiten (Care) ins Zentrum des Wirtschaftens stellen.Dafür nehmen wir feministische Analysen und Degrowth in den Blick und entwickeln daraus Ideen für eine sozial-ökologische Transformation.


07.01.19
 
Weltbilder und Religion
(Prof. Dr. Gerhard Lindemann, Institut für evangelische Theologie, TU Dresden)
 
Die Vorlesung wird die Rolle von Weltbildern und Weltanschauungen für die Religion beleuchten aber auch die Rolle von Religion für Weltbilder und Weltanschauungen in unserer heutigen Zeit. Dabei steht auch die Frage nach der Stellung des Menschen in seinen Umwelten im Zentrum der Reflexion.


14.01.19
 
Von der Umwelt zur Unswelt. Ein neues Weltbild für das Anthropozän?
(Prof. Dr. Reinhold Leinfelder, Institut für geologische Wissenschaften, FU Berlin)
 
Der Vortrag wird beleuchten, was unter dem Begriff "Anthropozän" zu verstehen ist und welche gesellschaftlichen aber auch ethischen Implikation damit verknüpft sind. Besonders vor dem Hintergrund, dass unser tägliches Handeln in das Erdsystem zu integrieren ist und nicht  als davon entkoppelt betrachtet werden darf, reflektiert der Vortrag wie ein dementsprechendes Weltbild gestaltet werden könnte.
21.01.19 Syntheseveranstaltung II (Integarle, TUUWI TU Dresden)

28.01.19

 KLAUSUR